Förderkreis „Laurentia“

der evangelischen Kirchengemeinde Bieber

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Laurentiuskirche im Modell

Juni 2018

„Die Laurentiuskirche ist fertig!“  So schrieb Pfarrerin Sabine Ruf in ihrer Einladung zu einem Empfang im Haus des Friedens an die vielen fleißigen Helfer, die in den vergangenen Jahren eifrig für den Erhalt der Bieberer Laurentiuskirche geschuftet haben. Wer hätte das gedacht: Seit Jahrzehnten kämpfen emsige Mitglieder des Förderkreises Laurentia und der Kirchengemeinde darum, das älteste Kirchenbauwerk vor dem Verfall zu bewahren. Vieles ist schon geleistet worden, und eigentlich noch vieles zu tun, und jetzt diese Nachricht.  „Das hätten Sie nicht gedacht! Doch es stimmt wirklich und Sie können sich davon überzeugen“, schrieb Pfarrerin Ruf in ihrer Einladung weiter. Doch die Aufklärung folgte in den nächsten Zeilen. „Diese Laurentiuskirche passt ins Haus des Friedens, es ist das Modell für unsere Ausstellung, das uns am Laurentiustag übergeben wird!“ Aha, wäre ja auch zu schön gewesen, aber mit dem Modell, das Martin Freund in mühevoller Detailarbeit gebaut hat, können sich die Freunde und Gönner der Kirche jetzt bildhaft vorstellen, wie schön die Laurentiuskirche in Zukunft einmal erstrahlen wird.

 Martin Freund enthüllt sein Modell der Laurentiuskirche. Pfarrerin Sabine Ruf und Martin Logsch vom Kirchenvorstand und Förderverein Laurentia schauen interessiert zu.                                                               Foto Heribert Grob

„Schön, dass Sie zu unserem kleinen Empfang gekommen sind“, richtete sich Pfarrerin Ruf an den Modellbauer, die Helferinnen und Helfer, die rund um die Laurentiuskirche geschuftet haben, an die Frühstücksfeen, die Mitwirkenden bei der Ausstellung „Reformationsgeschichte im Biebergrund und 250 Jahre Untere Kirche“, den Vorstand des Förderkreises Laurentia, sowie den Kirchenvorstand. „Es gibt einen wunderbaren Anlass für die Zusammenkunft“, erklärte Pfarrerin Ruf den Umstehenden. Die hatten sich im Haus des Friedens um ein verhülltes Podest versammelt und harrten der Enthüllung der Laurentiuskirche im Miniaturformat.

Zuvor ergriff Peter Nickel vom Geschichtsverein das Wort. „Mir war irgendwie bei der diesjährigen Renovierung die Idee gekommen, man müsste von der schönen Laurentiuskirche ein Modell haben“, erklärte der Initiator des Modellbaus. Von seiner Idee hatte er Anfang des Jahres Martin Freund erzählt und konnte den passionierten Modellbahnbauer davon überzeugen, ans Werk zu gehen. Natürlich durfte das Modell nicht zu klein geraten und so war man nach einiger Diskussion übereingekommen, die Laurentiuskirche im Maßstab 1:50 nachzubauen. Martin Freund ging sogleich ans Werk. „Ich habe 198 Bilder vom Original gemacht und dann ein Pappmodell gebaut“, erläuterte er den Werdegang. Nach etlichen Versuchen waren die Proportionen dann 100-prozentig zufriedenstellend und wurden in das Holzmodell umgesetzt. Von Februar bis Juli investierte Freund 550 Stunden in die Arbeit. Werkstoffe mussten beschafft werden, jedes Detail wurde herausgearbeitet, eine Sisyphusarbeit, die viel Geduld und Fingerspitzengefühl erforderte. Am Ende hat sich die Mühe gelohnt, wie jetzt bei der Enthüllung der Kirche sichtbar wurde. Die Spannung stieg. Pfarrerin Ruf, Kirchenvorstand und Förderkreisvorsitzender Martin Logsch, Peter Nickel und Erbauer Martin Freund griffen zum Tuch und jetzt stand sie da, die Laurentiuskirche, doch stopp mit dem Applaus, erst musste Freund noch den Turmhelm aufsetzten und dann konnte das Modell in seiner ganzen Pracht bewundert werden.

„Es ist schon beeindruckend, man sieht sofort, das passt und es steckt jede Menge Detailarbeit drin, es ist ihm wahnsinnig gut gelungen. Lieber Martin herzlichen Dank von uns allen. Mit diesem Modell hast du wirklich ein Meisterwerk vollbracht“, lobte Nickel.

„Die Kirche ist fertig, doch an unserem Objekt da oben ist noch viel zu tun“, erklärte Martin Logsch und gab einen Überblick über die weiteren anstehenden Arbeiten an der Laurentiuskirche nach dem zweiten Bauabschnitt. Da war zunächst die Außenfassade angedacht. „Unsere Meinung war, wir können keine 20 bis 30 Jahre warten, bis wir 800.000 Euro für die Renovierung zusammenbekommen. Die Orgel muss schnellsten wieder spielen und wir konnten die Landeskirche und Architekten davon überzeugen, dass das der richtige Weg ist!“ So wird jetzt der Innenraum soweit hergestellt und trockengelegt und die Orgel restauriert, damit die Kirche wieder genutzt werden kann. 125.000 Euro werden für diese Arbeiten veranschlagt. 75.000 Euro kommen vom Förderkreis, je 6000 Euro von der Sparkassenstiftung und dem Landesamt für Denkmalpflege und 28.500 Euro trägt die Landeskirche aus ihrem Orgelfont dazu bei. Bis zum Frühjahr 2018 soll die Orgel dann wieder erklingen und mit einem großen Fest eingeweiht werden. Das Modell der Laurentiuskirche wird bei Ausstellungen präsentiert und später einen Ehrenplatz im Museum finden.

                                                                                               Heribert Grob

                                              (Bericht am 12.8.17 in der GNZ erschienen)

Anlässlich eines Empfangs überreichte Peter Nickel im Namen aller ein Geschenk als Dank an Martin Freund und seine Frau für die hervorragend geleistete Arbeit an dem Modell der Laurentiuskirche, welches er für die Ausstellung „500 Jahre Reformation“ erbaut hat. Das Modell wird später seinen Platz im Biebergrund-Museum finden                                                                            Martina Weibezahn

Bodensanierung in der Laurentiuskirche

Januar 2018

Seit meinem letzten Bericht in der Septemberausgabe der Friedensbrücke hat sich viel getan in der Laurentiuskirche. Nachdem die Grabungsfläche wieder mit Schotter verfüllt war, brauchten wir passende Platten für den Bodenbelag. Das war eine Herausforderung, weil eine Farbe, die zu unseren Sandsteinplatten passt, zur Zeit im Angebot der Baumaterial- Firmen kaum zu finden ist. Nach längerem Suchen wurde ich bei der Firma Rinn in Gießen fündig. Die Platten passten sowohl vom Format als auch von der Farbe. Am 15.August wurden dann die Platten geliefert. Schon wenige Tage danach hatten die fleißigen Helfer die Platten verlegt und die Westseite der Laurentiuskirche war fertig.

Dann mussten die Bauarbeiten unterbrochen werden, denn schon eine Woche später, am 25.August, fand das Gitarrenkonzert in der Laurentiuskirche statt. Am 17.September wurde hier die Ausstellung zu „500 Jahre Reformation“ eröffnet, die bis Ende Oktober  dreimal zu besichtigen war.

Erst nach dem Reformationsgottesdienst am 31.Oktober konnte es mit den Bauarbeiten weitergehen. Schon am nächsten Tag begannen wir mit dem Ausbau der Bänke auf der Südost Seite. Auch die Treppe an der Südwest Seite musste teilweise abgebaut werden. Jahrhundertlang hatte die Feuchtigkeit an der Außenwand eingewirkt. Dadurch war die Treppe stark beschädigt. Eine Stütze war zum großen Teil verfault. Ebenso hatte sich die Treppe an einer Seite stark abgesenkt. Auch der Unterbau der Bankpodeste war durch die dauernde Feuchtigkeitseinwirkung stark beschädigt und teilweise völlig verrottet. Um eine Ausbreitung von möglichen Holzschädlingen wie dem Hausschwamm zu unterbinden, musste auch die „Lamperie“ (eine Holzverkleidung) an der Südwand entfernt werden.

Mit dem hoch motivierten Grabungsteam gingen die Arbeiten zügig voran. Ebenso wie wir sie im Frühjahr an der Westseite vorgefunden hatten,  kam auch hier die Grundmauer der alten Laurentiuskirche zum Vorschein, wie sie vor dem Anbau im Jahre 1756  bestanden hatte. Da der Grabungsbereich vor dem Anbau als Friedhof genutzt worden war, fanden wir auch hier eine große Anzahl von Knochen. Auch das vollständige Skelett eines Erwachsenen und direkt daneben ein Kinderskelett kamen zum Vorschein. Nach Beendigung der Grabungsarbeiten und der sorgfältigen Kartierung aller Funde, wurden die Knochen an gleicher Stelle wieder würdevoll bestattet.

Bevor wir mit dem Einfüllen des Schotters in den Grabungsbereich beginnen konnten, mussten erst der Unterbau der Emporenstütze an der Südost Seite und der Treppe an der Südwest Seite ertüchtigt werden. Auch rechts neben der Kanzel haben wir den alten Estrich entfernt und den Boden darunter 40cm tief ausgegraben. Über 30 Tonnen Schotter haben die fleißigen Helfern des Grabungsteams mit Schubkarren in die Baustelle gefahren. Den Schotter haben wir dann einplaniert und festgerüttelt. Nach dem Aufbringen der Ausgleichsschicht aus Splitt konnten wir die Bodenplatten verlegen. Auch das war eine schweißtreibende Arbeit, denn die Platten sind 6,5cm dick und bis zu 25kg schwer. Insgesamt wurden von uns 15 Tonnen Platten eingebaut. An dieser Stelle möchte ich besonders herausstellen, dass das gesamte Helferteam derart motiviert am Werk war, so dass die Arbeiten innerhalb des Monats November fertiggestellt waren.

Parallel zu unseren Arbeiten hat die Firma Nüthen aus Erfurt die Wände hinter der Orgel saniert. Da für die Renovierung des Innenraums der Kirche in der Zukunft die Orgel nicht wieder ausgebaut werden kann, war es erforderlich diese Arbeiten vor dem Einbau der Orgel durchzuführen. Die alten Farbschichten wurden entfernt, Risse ausgebessert, loser Putz erneuert, die Flächen geglättet und gestrichen. Zudem wurde die Südwand im Bereich der ehemaligen „Lamperie“ neu verputzt und gestrichen.

Vor dem Einbau der Orgel mussten die beiden von Fäulnis angegriffenen Stützen unter der Orgel ertüchtigt und mit einem tragfähigen Unterbau versehen werden. Dazu haben wir die Orgelempore mit einem Schwerlastheber leicht angehoben und mit stabilen Baustützen gesichert. Nach dem Entfernen der Emporenstützen  haben wir den Boden für ein Fundament ausgegraben. Auf das Fundament wurden zwei Sandsteinsockel gesetzt, die von mir in Eigenleistung angefertigt wurden. Wie auch bei dem Sandsteinsockel der Emporenstütze an der Westseite war es für mich eine Herausforderung aus Sandsteinblöcken solche Sockel herauszuarbeiten. Die Arbeit hat mir Freude bereitet und jetzt, wo sie gelungen ist, bin ich auch ein bisschen stolz auf diesen persönlichen Beitrag. Auf diese Sockel haben wir dann, mit Bleiblech gegen Feuchtigkeit isoliert, die gekürzten Stützen aufgesetzt und die Empore wieder abgesenkt. Jetzt hat die Empore wieder einen soliden Unterbau und der Orgelbauer kann mit dem Einbau der Orgel beginnen. Bis zur geplanten Einweihung der Orgel am 29. April sollen diese Arbeiten abgeschlossen sein und die Orgel kann nach fünf Jahren endlich wieder erklingen.

An dieser Stelle bedanke ich mich bei dem Helferteam, das sich im Laufe der Arbeiten zusammengefunden hat und immer mit großer Motivation, viel Begeisterung und Spaß am Werke war. Ein Team aus katholischen, evangelischen und nicht konfessionellen Helferinnen und Helfern, das sich für den Erhalt der Laurentiuskirche eingesetzt hat und dem die Kirche im Lauf der Arbeiten immer mehr ans Herz gewachsen ist. Ebenso gilt mein Dank den fleißigen „Frühstücksfeen“, die das Grabungsteam immer mit einer ordentlichen Brotzeit versorgt haben.

Martin Logsch